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Messerbau Kurzanleitung

Informationen und Erfahrungsaustausch zum Messer Forum Elbe Elster.

Moderator: Rick

Messerbau Kurzanleitung

Beitragvon Frank » Di 14. Jun 2011, 16:59

Hallo an alle Messerbegeisterten!

Ich habe für einen Kunden ein Messer gebaut und die wichtigsten Arbeitsschritte im Bild festgehalten. Dies ist die Art wie ich Messer baue. Mit großer Sicherheit werden andere Messermacher anders vorgehen, aber ich habe 1995 mit dem ernsthaften Messermachen begonnen und mir alles selbst beigebracht. Erst später erfuhr ich von anderen Messermachern.

Diese kleine Bildergalerie erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr soll sie zeigen das Messermachen gar nicht so schwer ist und neue Leute ermutigen selbst mal zu Feile, Säge und Sandpapier zu greifen.

Ich werde an dieser Stelle keinen Roman verfassen und versuche mich kurz zu halten, solten aber Fragen auftauchen werde ich diese natürlich umfassend beantworten.

Das hier gebaute Messer war eine Auftragsarbeit. Als Griff sollte ich Pflaumenbaum verwenden der vor langer Zeit mal im Garten des Kunden wuchs. Kombiniert habe ich dieses Holz mit Kamelknochen und einer Fieber Zwischen-und Unterlage. Als Messerstahl kam N 690 in 5 mm Stärke zum Einsatz, der in allen Bereichen gute Leistungen erbringt und sich keine Schwächen leistet. Die Mosaikpins sind nicht selbstgemacht sehen aber trotzdem echt gut aus.



Der Entwurf
Das ideale Messer für alle Zwecke giebt es nicht. Das heisst ich entwerfe einen möglichst gelungenen Kompromiss um viele Anwendungsbereiche abzudecken, baue Ausstellungsmesser die keinen funktionalen Zweck haben, oder konstruiere ein hochspezialisiertes Messer für eine ganz bestimmte Aufgabe. Alle von mir entworfenen Messer verwenden die Variante eins mit dem breiten Anwendungsgebiet.
Vor dem ersten Zeichnen mache ich mir über die folgenden Punkte Gedanken :
- Taschenmesser oder Feststehendes Messer
- Größe der Klinge und des Griffes
- die zukünftige Verwendung und das entsprechende Material
- Klingenstärke und Geometrie
- Handgröße des zukünftigen Besitzers
- sind die Vorgaben mit den eigenen Mitteln umsetzbar und wenn nicht wo brauche ich Hilfe und wo bekomme ich diese
Alle diese Punkte zusammen ergeben mit der entsprechenden Gewichtung ein Anforderungsprofil mit teilweise wiedersprüchlichen Forderungen. Genau an dieser Stelle müssen Kompromisse gemacht werden (z.B. hohe Stabilität der Klinge und feinste Schneidenwinkel gemeinsam gehen nicht). Hier versuche ich immer die geplanten Anwendungen im Auge zu behalten um ein schönes und funktionales Messer zu konstruieren.

Die Materialien
Der Messerstahl muss wieder zur gedachten Aufgabe des Messers passen. Hierbei sind die folgenden Punkte zu beachten :
- gewünschte Endhärte
- Elastizität
- Korrosionsbeständigkeit
- Schneidfähigkeit / Schneidhaltigkeit
- Kantenstabilität
- Bearbeitbarkeit
- erzielbare Oberflächenqualität
Aus dem Anforderungsprofil ergeben sich die Klingengeometrie und Schliffwinkel. Aus den heute üblichen Messerstählen sollte eigentlich jeder etwas für sein Projekt passendes finden. Bei Stefan Steigerwald oder Wolf Borger bekommt man nicht nur alle notwendigen Materialien sonder auch wertvolle Tipps. Sollen die Mengen etwas größer werden kann ich vor allem auch "Abrahams Premium Stahl" empfehlen. Sehr nette Leute die sich auch um kleine Aufträge kümmern. Und das alles ohne Mindestbestellwert, ab der ersten Lieferung auf Rechnung, Maß nach Wahl (Länge 300, 500 oder 1000 mm, Breite und Dicke nach Tabelle auszuwählen) und alles schön geschliffen und ohne Walzhaut.
Ich persönlich bevorzuge für Messer zur eigenen Nutzung hoch legierte nicht rostfreie Messerstähle. Weitergehende Empfehlungen stehen bei mir immer in Zusammenhang mit dem zu bauenden Messer und dessen angedachter Verwendung. Grundsatzdiskissionen wie z.B. rostfrei gegen nicht rostfrei oder Damaszenerstahl gegen Monostahl sind ohne ein möglichst genaues Anforderungsprofil sinnlos.

Griffmaterialien
Hierbei einige Punkte die neben der ach so schönen Optik nicht vergessen werden sollten :
- Wiederstandsfähigkeit / Härte / Flexibilität
- Dauerhaft (auf Jahre hin) form-und farbstabil (kein Reißen, Schwinden, Arbeiten bei unterschiedlicher Temperatur / Luftfeuchtigkeit, kein Verblassen / Abfärben)
- angenehm zu greifen, rutschfest, warmes Griffgefühl
- gut zu verarbeiten, gut zu polieren, erzielbare Oberflächenqualität
- eventuelle Sondergenehmigungen wie z.B. beim Kauf von Elefantenelfenbein oder anderen bedrohten Arten
Hierbei gilt wieder unser Anforderungsprofil. Die künstlichen Griffmaterialien sind meist sehr gut in der Funktion, die natürlichen Griffmaterialien haben zumeist die bessere Optik. Ich persönlich verwende gern natürliche aber stabilisierte Griffmaterialien ( mit Plastik getränkte Materialien), da hier Funktion und Optik sehr gut vereint sind (Bezug z.B.Novacula oder auch Blades and more sowie die oben angesprochenen Herrn Borger und Steigerwald.

Herstellung
Ich bearbeite meinen Messerstahl nur durch Sägen, Feilen, Schleifen und teilweise Fräsen. Das Schmieden wird an dieser Stelle nicht beschrieben. Ich arbeite möglichst viel ohne die Hilfe von Maschinen, computergestützte Maschinen besitze ich nicht. Dieses langsame Arbeiten vermeidet Fehler und verleiht dem Messer meine persönliche Note.
Alle Arbeiten bei denen Wärme entsteht (das sind so eigentlich alle) versuche ich so schonend wie möglich durchzuführen, z.B. durch ein zwischenzeitiges Kühlen (Wasser / Öl), da eine zu starke Erwärmung zum Verzung beim Härten kommen kann. Auch eine gleichmäßige beidseitige Bearbeitung aller Flächen ist hierbei hilfreich.
Die vorgefertigte Zeichnug wird per Reißnadel oder dünnem Edding auf den Stahl übertragen und mit der Metallsäge ausgesägt. Nun alle Sägeflächen mit einer Feile nachbearbeiten. Immer wieder kontrollieren ob alle Kurven flüssig laufen oder ob noch Kanten und Ecken da sind. Dies macht mann mit den feifühligsten Kontrollinstrumenten die es gibt, nämlich den Augen und Händen. Immer mit ausreichend Licht die Arbeit unter verschiedenen Winkeln betrachten und mit den Fingern die Kontouren nachfahren. So erkennt man jede Unebenheit.

4.JPG
In diesem Arbeitssritt habe ich schon die Schneidfase angezeichnet. Wichtig ist auch die Schneide selbst anzuzeichnen (sonst liegt diese später nicht geau mittig), so das diese beiden Linien der Schneidenwinkel vorgeben. Vor dem Anreißen färbe ich die in Frage kommenden Flächen mit einem Edding dunkelblau oder schwarz. So entsteht beim Anreißen ein sehr guter Kontrast.









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Zuletzt geändert von Frank am Do 16. Jun 2011, 10:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Messerbau Kurzanleitung

Beitragvon Frank » Do 16. Jun 2011, 09:43

In dem nächsten Bild ist schon sehr gut der Schneidenanschliff zu erkennen. Dieser wurde bereits mit Sandpapier der Körnung 240 nachbearbeitet. Ganz wichtig ist es die andere Seite genau spiegelbildlich auszuarbeiten. Dies ist wohl eine der schwierigsten Arbeiten an einem Messer.

5.JPG


Alle Flächen schleife ich dann nacheinander mit Sandpapier in den Körnungen 240, 400, 600, 800 und 1000. Dies ist der am längsten dauernde Teil bei der Herstellung eínes Messers. Dabei wird immer eine Fläche mit einer Körnung so lange geschliffen bis keine Spuren des vorherigen Arbeitsschrittes mehr zu sehen sind. Danach wird auf die nächst feinere Körnung gewechselt, mit der ich die gleiche Fläche in einem anderen Winkel schleife, so das die Schleifspuren vom Vorausgehenden Arbeitsschritt immer sichtbar sind. Zum Schleifen lege ich das Schleifpapier um ein planes Stück Aluminium (ich verwende unterschiedliche Stücke die in Form und Größe auf verschiedene Arbeiten abgestimmt sind). Da Aluminium weicher ist als Stahl passiert auch bei einem Ausrutscher nicht viel. Wichtig ist das das Schleifpapier immer auf der ganzen zu bearbeitenden Fläche aufliegt. Schräges Schleifen verrundet die Kanten, was später einen nicht so tollen Eindruck hinterlässt. Hierbei kann man sich sehr gut überprüfen, in dem man die zu bearbeitende Fläche mit Edding einfärbt. Beim Schleifen sieht man nun sehr genau ob man richtig arbeitet oder nicht.

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Re: Messerbau Kurzanleitung

Beitragvon Frank » Do 16. Jun 2011, 09:52

Härten

Das Messer ist nun fertig zum Härten.Wichtig ist das alle Bohrungen usw. angebracht sind, da weitere Arbeiten nach dem Härten nur noch sehr schwer oder gar nicht mehr durchzuführen sind. Das Härten ist das einzige, das ich an meinen Messern nicht selbst mache. Moderne hochlegierte Stähle stellen hohe Anforderungen an das Härten, weshalb ich allen nur empfehlen kann diese Arbeit von einem Fachmann durchführen zu lassen. Hier verweise ich wieder auf die Herren Steigerwald und Borger.
Nach dem Härten wird das Messer noch einmal fein überarbeitet und bis zur entgültigen Oberfläche (poliert/satiniert) gebracht.
Zuletzt geändert von Frank am Mo 25. Jul 2011, 13:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Messerbau Kurzanleitung

Beitragvon Frank » Do 16. Jun 2011, 10:46

Der Griff
Das Griffmaterial säge ich nach sorgfältiger Materialprüfung (Risse, Löcher, usw.) grob zu. Anschließend nähere ich mich mit Feilen und Schleifen der geplanten Form immer näher an.Als nächstes setze ich die verschiedenen Teile zu einer Griffschale zusammen und veklebe sie und die Fieberunterlage mit UHU Endfest 300. Bei Griffen aus mehreren Teilen ist wieder auf die Symetrie beider Griffschalen zu achten. Als nächstes lege ich die Messerklinge passend auf die Griffschalen, fixiere alles und Bohre die Löcher durch díe Griffschale. MIt der anderen Giffschale verfahre ich spiegelbildlich. Bevor nun alles veklebt wird müssen die Griffschalenseiten zum Ricasso hin schon fertig bearbeitet werden, da man an diese später nicht mehr herran kommt ohne Spuren auf dem Ricasso zu hinterlassen. Hier kann man durch die Griffschalen ohne Klinge die Stifte schieben um die Symetrie zu überprüfen. Wenn dann alles stimmt werden die Griffschalen mit der Klinge verklebt (mit gleichmäßigen Druck). Am Ricasso austretenden Kleber mehrmals zeitnah entfernen.
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Re: Messerbau Kurzanleitung

Beitragvon Frank » Do 16. Jun 2011, 10:48

Hier noch weitere Bilder zum Thema Griff :
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Re: Messerbau Kurzanleitung

Beitragvon Frank » Do 16. Jun 2011, 10:59

Mein Messer ist fertig!!!

Nach dem der Klebstoff fest ist entferne ich alles überstehende Material in immer feiner werdenden Schritten wie zuvor beschrieben.

Nun noch eine Endbehandlung des Holzes mit Wachs oder Öl und einen Ständer oder Scheide angefertigt und ich bin nach ca. 40 Stunden intensiver Arbeit am Ende angelangt. Der Kunde war im übrigen mehr als zufrieden.

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Wie Ihr seht ist das Messermachen zwar nicht super leicht, aber mit dem nötigen Willen durchaus erlernbar.
Ich hoffe einigen den Einstieg in mein Hobby schmackhaft gemacht zu haben.

Viel Spaß beim selebr ausprobieren wünscht Frank
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